Man ist nie zu klein, um großartig zu sein

Erstellt von Sabine Müller |

Kinderlachen im Wohnzimmer, Fußballtraining am Nachmittag, gemeinsame Spaziergänge mit Hund Paco und die Diskussion darüber, ob am Wochenende Burger oder doch lieber Pommes auf den Tisch kommen – in der neuen Kleinwohngruppe der Jugendhilfe Collstede in Zetel ist Leben eingezogen.

Seit März finden hier bis zu sieben Kinder im Alter von fünf bis zwölf Jahren ein Zuhause auf Zeit. Aktuell leben sechs Mädchen und Jungen in dem liebevoll sanierten Haus, das vielen Zetelerinnen und Zetelern bereits bekannt sein dürfte. In den Räumen, in denen früher eine Mädchenwohngruppe untergebracht war, ist ein Ort entstanden, an dem Kinder Geborgenheit finden, zur Ruhe kommen und vor allem eines dürfen: Kind sein.

„Wie Du bist, bist Du gut“ – dieser Satz ist weit mehr als ein Motto. Er beschreibt die Haltung, mit der die Mitarbeitenden den Kindern jeden Tag begegnen. Jedes Kind bringt seine eigenen Stärken, Sorgen, Wünsche und Erfahrungen mit. In der Kleinwohngruppe sollen die Kinder erfahren, dass sie willkommen sind. Dass sie angenommen werden. Und dass sie wertvoll sind – genauso, wie sie sind.

Die Wege, die die Kinder in die Wohngruppe führen, sind unterschiedlich. Was sie verbindet, ist das Bedürfnis nach Sicherheit, Verlässlichkeit und Menschen, die an sie glauben.

Dabei verlieren die Eltern nie ihren Platz im Leben ihrer Kinder. Im Gegenteil: Die Zusammenarbeit mit den Familien ist ein wichtiger Teil der pädagogischen Arbeit. Regelmäßig finden Gespräche zwischen den Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen und den Eltern statt – in der Wohngruppe oder bei den Familien zu Hause. Der Austausch erfolgt auf Augenhöhe und ist geprägt von Respekt und Wertschätzung.

Statt auf Schwierigkeiten zu schauen, richten die Fachkräfte den Blick bewusst auf die Stärken der Familien. So entstehen Vertrauen und tragfähige Beziehungen. Die Mitarbeitenden sprechen davon, einen „Beziehungsfaden“ zu spannen – einen Faden, der Kinder, Eltern und Fachkräfte miteinander verbindet und der auch in herausfordernden Zeiten Halt geben kann.

Auch die Kinder halten regelmäßig Kontakt zu ihren Familien. Ein- bis zweimal pro Woche finden begleitete Telefonate mit den Eltern statt. Diese festen Zeiten geben Sicherheit und stärken die Verbindung zu den Menschen, die den Kindern wichtig sind.

Ansonsten ist das Leben in der Kleinwohngruppe erstaunlich normal. Morgens geht es zur Schule oder in den Kindergarten. Hausaufgaben werden erledigt, Freundschaften gepflegt und Hobbys gelebt. Viele Kinder spielen Fußball, gehen zum Kinderturnen oder besuchen Tanzgruppen. Die Wohngruppe unterstützt diese Aktivitäten ausdrücklich, denn sie schaffen Gemeinschaft, fördern Talente und schenken Erfolgserlebnisse.

Dass die Wohngruppe mitten in Zetel liegt, ist dabei ein großer Vorteil. Schulen, Vereine und Freizeitangebote sind schnell erreichbar. Für Jan Praßel, Einrichtungsleiter der Jugendhilfe Collstede, könnte es keinen besseren Standort geben: „Jugendhilfe ist Teil der Gesellschaft.“

Jedes Kind verfügt über ein eigenes, liebevoll eingerichtetes Zimmer – einen Ort zum Spielen, Lesen, Träumen und Zurückziehen. Unterstützung erhalten die Kinder dort, wo sie sie benötigen. Verantwortung übernehmen sie Schritt für Schritt und immer in ihrem eigenen Tempo.

Das Herzstück des Hauses ist das gemeinsame Wohnzimmer. Hier wird gespielt, gelacht, gebastelt und manchmal auch einfach gemeinsam Zeit verbracht. Ein Fernseher gehört ebenfalls dazu – allerdings erst dann, wenn die Hausaufgaben erledigt sind. Eigene technische Geräte spielen im Alltag bewusst eine untergeordnete Rolle. Erst ab zwölf Jahren können die Kinder gemeinsam mit den Mitarbeitenden einen „Handyführerschein“ erwerben und lernen, digitale Medien verantwortungsvoll zu nutzen.

Besonders gern verbringen die Kinder ihre Zeit draußen. Fast täglich geht es auf den Spielplatz, in den Wald oder auf kleine Entdeckungstouren. Einer der größten Lieblinge der Wohngruppe ist dabei Paco, der Hund einer Mitarbeiterin. Wenn Paco dabei ist, werden Spaziergänge schnell zu kleinen Abenteuern.

Gemeinsame Erlebnisse haben einen festen Platz im Alltag. Im Sommer steht traditionell eine Ferienfreizeit auf dem Programm. In diesem Jahr geht es in den Harz – ein Ausflug, auf den sich die Kinder schon lange freuen.

Auch bei der Essensplanung dürfen die Kinder mitbestimmen. Besonders an den Wochenenden haben sie ein großes Mitspracherecht. Die beliebtesten Gerichte? Ganz klar: Burger und Pommes.

Ganz fertig ist das neue Zuhause allerdings noch nicht. Während das Haus selbst umfassend modernisiert wurde, wartet der Garten noch darauf, von den Kindern erobert zu werden. Eine Schaukel, ein Sandkasten und weitere Spielgeräte stehen ganz oben auf der Wunschliste.

Wer die Kleinwohngruppe dabei unterstützen möchte, diesen Außenbereich in einen lebendigen Ort zum Spielen, Toben und Entdecken zu verwandeln, ist herzlich willkommen. Jede Spende hilft dabei, den Kindern noch mehr Raum für unbeschwerte Momente zu schenken.

Denn manchmal braucht es gar nicht viel, damit Kinder wachsen können: einen sicheren Ort, Menschen, die an sie glauben, und das Gefühl, genau richtig zu sein. Oder, wie es in der Kleinwohngruppe in Zetel heißt: „Wie Du bist, bist Du gut.“

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